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Schwärzepilz Chaetomium

Chaetomium ist ein feuchte­lieben­der Schwärze­pilz, der häufig nach Wasser­schäden auf­tritt. Chaetomium bildet Myko­toxin (Schimmel­pilzgift). Er emittiert nur wenig Sporen, aber die MVOCs, die er abgibt, sind als "Schimmel­geruch" wahrnehmbar.

Schimmelpilz Chaetomium

Schimmelpilz Chaetomium sp.
- hohe Feuchtigkeit / Wasserschaden / Rohrbruch

Chaetomium ist eine Gattung der Schimmelpilze, die systematisch in die Gruppe der Sodariomyceten eingeordnet ist und somit zu den Ascomyceten, den sogenannten Schlauchpilzen, gehört. Die Gattung Chaetomium umfasst circa 95 Arten, von denen der weltweit verbreitete Pilz Chaetomium globosum wohl der bekannteste ist.

Chaetomiumkolonien zeichnen sich durch oftmals sehr schnelles, wollig-weißes Wachstum aus. Dieses ist auf weißen Wänden mit bloßem Auge meist kaum auszumachen. Durch Melanin-Einlagerungen erreichen ältere Chaetomiumkolonien, wie auf den Bildern gezeigt, eine schwärzlich-braune Färbung, weshalb der Pilz zu den sogenannten Schwärzepilzen (umgs. Schwarzschimmel) gezählt wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen Schimmelpilzen kann sich Chaetomium nicht nur vegetativ und asexuell über Konidien vermehren sondern auch sexuell über Sporen fortpflanzen. Hierzu wachsen an älteren Kolonien zahlreiche, kleine Fruchtkörper (sogenannte Asci), die etwa die Größe eines Stecknadelkopfes erreichen und typischerweise je acht Sporen, die sogenannten Ascosporen, enthalten.

Chaetomium ist in Luftproben (Partikelsammlung, Luftkeimmessung) nur selten nachzuweisen. Auf Internetseiten über Schimmelpilze und teilweise auch in Fachliteratur ist daher gemeinhin zu lesen, dass Chaetomium nur wenige Sporen bildet. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Chaetomiumsporen nur selten und nur in Kleinstmengen in Luftkeim- oder Partikelproben festzustellen sind. Dies ist selbst dann der Fall, wenn im selben Raum in unmittelbarer Nähe zum Messpunkt ein offen sichtbarer Schimmelpilzbefall vorhanden ist, bei dem es sich dank Kontaktproben nachweislich um "Viel Myzel, mäßig viele Fruchtkörper und extrem viele Sporen von Chaetomium sp." handelt. Möglicherweise sollte diese Tatsache nicht auf eine geringe Sporenbildung sondern vielmehr auf eine stark verminderte Flugfähigkeit der Sporen schließen lassen.

Chaetomium wächst meist sehr unscheinbar im Verborgenen hinter Tapeten und Verkleidungen. Die auf den nebenstehenden Fotos abgebildeten Schäden wurden alle erst nach dem Entfernen der Tapeten in vollem Umfang sichtbar. Auffälliger sind die olfaktorischen Eigenschaften des Pilzes. Chaetomium sondert Gase ab, sogenannte MVOCs (microbial volatile organic compounds). Diese Stoffwechselprodukte des Pilzes sorgen für ein schlechtes Raumklima mit dem typisch muffigen "Schimmelgeruch".

 

Vorkommen

Das Wachstumsoptimum von Chaetomium liegt zwischen 18-24 °C, der optimale pH-Wert bei 7,3. Gleichzeitig benötigt der Pilz für die Keimung ein sehr feuchtes Substrat, weshalb er üblicherweise im Zusammenhang mit einem Wasserschaden, beispielsweise nach einem Rohrbruch, im Innenraum auftritt.

Wie oben erläutert, sind seine Sporen nur selten in der Luft nachzuweisen, das gilt auch für die Außenluft. Das Bundesumweltamt bezeichnet Chaetomium in seinen Bewertungshilfen für Luftproben daher als "untypische Außenluftgattung mit hoher Indikation für Feuchteschäden".

Chaetomium findet man auf feuchten Anstrichen, Tapeten, Akten und Textilien aus Pflanzenfasern (Baumwolle, Leinfaser, Jute usw.).

 

Bedeutung des Schimmelpilzes Chaetomium

Wie vermutlich alle Schimmelpilze, hat Chaetomium in der Natur eine Bedeutung als Materialzersetzer. Er betreibt natürliches Recycling.

"Stockflecken" nach Wasserschaden / Rohrbruch in HannoverIm Wohnraum macht er sich als Materialzerstörer einen Namen. Er zerstört Farben und Anstriche durch den Abbau von Tensiden, Weichmachern oder Bindemitteln, die der Farbe zur gleichmäßigen Verteilung der Farbpigmente zugesetzt wurden. Papier und Tapeten zerfrisst Chaetomium mithilfe selbst erzeugter Enzyme. Erste Anzeichen sind bräunliche Verfärbungen ("Stockflecken") begleitet von einem modrig muffigen Geruch. In Textilien aus Pflanzenfasern baut Chaetomium die Cellulose der pflanzlichen Zellwände ab, so dass die Fasern ihre Reißfestigkeit verlieren. Immer benötigt wird nur eine sehr hohe Feuchtigkeit.

Neben den unerwünschten Tätigkeiten des Pilzes in Wohnräumen kommt Chaetomium eine große Bedeutung in der Zucker-Industrie und als Stabilisator zu, da er unter geeigneten Lebensbedingungen das Enzym Dextranase bildet.

 

Gefahren*

Chaetomium ist ein Mykotoxinbildner. Besonders hervorzuheben ist hier das nach ihm benannte Mykotoxin Chaetomin. Dieses wirkt nach der unten angegebenen Literatur nephrotoxisch (nierenschädigend), zytotoxisch (zellschädigend) und antibiotisch (keimtötend bei einigen Bakterien, ähnlich wie Penicillin). Zudem sind Chaetomium-Spezies für Infektionen verschiedener menschlicher Organe und ihr allergenes Potential bekannt.

 

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Quellen:

 

* Es handelt sich um keine feste medizinische Einstufung des Gefahrenpotentials. Ich kann nur grob wiedergeben, was in gängiger Literatur steht und unter Sachverständigen allgemein bekannt ist. Nähere Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sollte nur ein Mediziner geben.

Nebeninformationen und Links

Schadensbeispiele:

Chaetomium-Befall nach einem Wasserschaden

Wasserschaden und Chaetomiumbefall an einer Decke im Bad einer Altbau­wohnung in Hannover-Mitte nach einem Rohrbruch in der darüberliegenden Wohnung. Der Schaden wurde vollumfänglich erst nach dem Ablösen der Tapeten sichtbar. Vorher war ein muffiger Schimmelgeruch der stärkste Hinweis.

 

Chaetomium Schimmelpilzbefall

Entdeckung nach dem Hauskauf: Diesen Chaetomium-Befall haben die neuen Eigentümer kurz nach dem Hauskauf entdeckt, als sie begannen, das neu erworbene Haus zu renovieren.

 

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