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Aspergillus restrictus

Der im Innenraum weit verbreitete Schimmelpilz wächst, wo es anderen zu trocken ist. Er siedelt auf fast trockenen Baustoffen, Tapeten und Akten im Neubau und im Altbau. Als grauer Schimmel "Staub" auf Akten oder Verkleidungen fällt er oft kaum auf.

Schimmelpilze Aspergillus restrictus und Cladosprium im Schlafzimmer

Aspergillus restrictus - Er wächst, wo es anderen Schimmelpilzen längst zu trocken ist

Schimmelpilz Aspergillus restrictusBildquelle: umweltmykologie.de

Aspergillus restrictus ist ein sehr langsam wachsender Schimmelpilz. Bevorzugt ist er in Aktenlagern, in schlecht modernisierten Altbauten und auf abtrocknenden Wasserschäden anzutreffen. Er siedelt sich jedoch auch gerne in feuchten Neubauten noch während der Bauphase an oder in Kellern, wenn dort Kartons lagern.

Obwohl er oft als großflächiger Befall anzutreffen ist, wird er nicht selten übersehen. In Schimmelpilz­proben wird er aufgrund seines ausgesprochen langsamen Wachstums regelmäßig von anderen Pilzen überwuchert, so dass er nicht mehr nachzuweisen ist. Am Schadensort kann er sich oftmals weit ausbreiten, ehe er bemerkt wird, da er unscheinbar wie grauer Staub auf geeigneten Bauteil­oberflächen und dem Inventar wächst. Nur bei guter Beleuchtung oder genauem Hinsehen fallen die Kolonien ins Auge.

Aspergillus restrictus zeichnet sich als xerophiler Schimmelpilz als besonders tollerant gegenüber vergleichs­weise trockenem Substrat aus. Er wächst selbst dort noch, wo es den allermeisten anderen verbreiteten Schimmel­pilzen längst zu trocken ist. Eine Wasseraktivität von nur 0,70-0,75 (entspricht 70-75 % relativer Luftfeuchtigkeit) auf einer Tapete reichen den genügsamen Sporen, um zu keimen und sich zu vermehren. Nur Aspergillus penicilloides und Wallemia sebi wachsen in ähnlich trockener Umgebung.

Aspergillus restrictus bildet zahlreiche gut flugfähige Sporen, die in Räumen, in denen sich der Pilz angesiedelt hat, extrem hohe Konzentrationen erreichen können. Glück­licher­weise weist diese Schimmelpilzart nicht die hohe pathogene Potenz wie andere Arten ihrer Gattung auf. 

 

Vorkommen

Aspergillus restrictus kommt im Zusammenhang mit abtrocknenden Wasserschäden im Innenraum vor und überall dort, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit auf cellulosehaltige Materialien trifft. Gehäuft ist er in noch feuchten Neubauten, hier insbesondere an Lattungen und Verkleidungen, und in Aktenlagern an Aktenordnern, Karton und Papier anzutreffen. Er bleibt oft sehr lange unbemerkt, da er nur schleichend wächst und als unscheinbarer "grauer Staub" bei schlechter Beleuchtung kaum zu sehen ist.

Aufgrund seiner Osmotoleranz (relativen Unempfindlichkeit gegen osmotischen Druck) ist Aspergillus restrictus auch auf getrockneten Lebensmitteln oder solchen mit geringem Wassergehalt wie Trockenobst, Gewürzen und Brot regelmäßig zu finden.

 

Bedeutung

Wie allen Schimmelpilzen kommt auch Aspergillus restrictus in der Natur eine Bedeutung als Materialzersetzer zu. Erstmals beschrieben wurde er bereits im Jahr 1931 als Verursacher der Zersetzung von Baumwolle im Verarbeitungs­prozess (Smith, 1931). Das zeigt die Bedeutung dieses Schimmelpilzes. Es geht zwar keine unmittelbare Gesundheits­gefährdung für den Menschen von Aspergillus restrictus aus, aber er zerstört unter Umständen Gegenstände mit hohem materiellem oder ideellem Wert. Besonders in der Futtermittel­industrie, der Landwirtschaft oder in Archiven und Aktenlagern kann es dadurch zu erheblichen Verlusten kommen.

Ein industrieller Nutzen von Aspergillus restrictus ist mir nicht bekannt. Eines der wenigen sekundären Stoffwechselprodukte (Exometabolite), das Aurantiamidazetat, scheint aber das Wachstum von bösartigen Krebs­geschwülsten (malignen Tumoren) zu unterdrücken (Yang et al., 2015). Das könnte zunächst sogar an einen medizinischen Nutzen denken lassen. Andere Pflanzen produzieren allerdings höhere Konzentrationen dieses Stoffes, weshalb A. restrictus dadurch wohl keine klinische Bedeutung erreichen wird.

 

Gefahren

Im Gegensatz zu anderen Arten seiner Gattung spielt Aspergillus restrictus als Krankheitserreger eine untergeordnete Rolle. A. restrictus selbst produziert keine bekannten Mykotoxine und vernachlässigbar wenige sekundäre Stoffwechselprodukte und hat damit keinen direkt schadenden Einfluss auf Bewohner mit A. restrictus-Befall im Haus (Sklenář et al., 2017).

In der TRBA 460 ist er gar nicht genannt. Auch findet er in der einschlägigen Fachliteratur rund um das Gesundheitsrisiko von Schimmelpilzen in Innenräumen keine Erwähnung. Lediglich einige Internetquellen wie schimmel-schimmelpilze.de berichten von seltenen Infektionen und Allergien gegen den Pilz, ohne jedoch valide Quellen für diese Information zu nennen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung gesunder Personen sei jedoch nicht wahrscheinlich.

Ein Problem ist, dass Aspergillus restrictus für andere Schimmelpilzarten, die eine feuchtere Umgebung bevorzugen, ein Wegbereiter sein kann. Indem A. restrictus Wasser aus seinen Stoffwechsel­vorgängen produziert, können sich andere Schimmelpilzarten leichter ansiedeln und den langsam wachsenden A. restrictus überwuchern. Diese Pilzarten sondern dann gegebenenfalls für den Menschen gesundheitsgefährdende Pilzgifte (Mykotoxine) ab (Sklenář et al., 2017).

 

Quellen

Für diesen Schimmelpilzsteckbrief unterstütze mich Medical Writer Dr. Kerstin Römermann mit einer erweiterten Literaturrecherche.

Stand Februar 2019

 

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Schimmel Sachverständiger

Dipl.-Ing. (FH) Natascha Kraemer
TÜV-zert. Sachverständige für das Erkennen, Bewerten und Sanieren von Schimmelpilzbelastungen
Gebäudeenergieberaterin (HWK)

Tel: 0511 76056111
E-Mail: info@schimmelbutze.de

Nebeninformationen und Links

Schadenbeispiele:

Schimmel Aspergillus restrictus auf Akten

Großflächiger Aspergillus restrictus Befall auf Akten in einem Braunschweiger Aktenlager.

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